20. Juni 14: Schlechtes Zeugnis für das AKW Mühleberg

Eine Atom-Fördergemeinschaft, die im AKW Mühleberg erhebliche Mängel feststellt? Kein gutes Zeichen! Auch beim zweiten Anlauf fällt das AKW Mühleberg durch.

Die Atom-Fördergemeinschaft Internationale Atomenergieagentur (IAEA) inspiziert die AKWs dieser Welt nach ihrer Sicherheit. OSART-Mission (Operational Safety Review Teams) heisst das Programm und durchleuchtet die AKWs nach Aspekten wie Management, Instandhaltung, Betrieb und Notfallplanung . Im Jahr nach Fukushima 2012 war sie im AKW Mühleberg und stellte 21 erhebliche Mängel fest. Ende Juni 2014 hat sie das AKW erneut überprüft. Nur gerade die Hälfte, nämlich 11 der Mängel sind heute behoben. Die BKW spricht von zufriedenstellenden Fortschritten; die IAEA meint, dass weitere Schritte nötig sind. Bei näherer Betrachtung erweist sich die Kritik als happig.

Führungsmängel

Schwere Vorwürfe gehen an das Management des AKWs Mühleberg: es sei zu wenig vor Ort, weshalb es die Arbeitenden zu wenig führe. Die Kraftwerkleitung kümmere sich auch zu wenig um die Betriebserfahrung ihrer Mitarbeitenden – bekanntlich eine Voraussetzung für eine kontinuierliche Verbesserung der Mängel. Und schliesslich stimme das Programm zur Arbeitssicherheit der Arbeitenden nicht mit den Branchenstandards überein. Auch im Fall eines Störfalls, bei der es zu radioaktiver Freisetzung kommt, reicht der Schutz der Arbeitenden nicht aus, um gesundheitliche Risiken auf ein Minimum zu beschränken. Ob sich dies bald ändern wird? Das ENSI meinte im Jahresbericht 2013: «Das KKM (Anm. Redaktion: AKW Mühleberg) hat 2013 keine grösseren organisatorischen Änderungen vorgenommen», heisst es da.

Mangelhaft umgesetzt

Auch das Alterungsmanagement des AKWs Mühleberg wird nur auf formaler Ebene umgesetzt und offensichtlich hat sich die im Jahr 2012 stark bemängelte Elektroabteilung nicht verbessert. Damals war die Kalibrierung messtechnischer Instrumente abgelaufen und es wurde Inkonsistenz der Abteilungen Mechanische und Elektrische Abteilung festgestellt. Pikant: Die Kritik betrag Martin Saxer, heute Chef des AKWs Mühleberg. Bis wenige Monate vor der OSART-Mission 2012 hatte er die Abteilung Elektrotechnik geleitet.

Nicht zu verantwortendes Risiko

Nach wie vor ungelöst ist auch das Problem der Kernmantelrisse. 2012 lobte die IAEA die Ultraschallmessungen der Schweissnähte und ein damals angekündigtes neues Kernmantelkonzept für den Langzeitbetrieb. Die Zuganker sollten ergänzt und verbessert werden. Tatsache aber ist: es wurden nicht alle Schweissnähte nach ihrer Sicherheit gemessen. Man fährt den Reaktor im Blindflug. Die BKW ist nach wie vor nicht bereit, eine Kernmantelnachrüstung auszuführen. Nach dem Entscheid, das AKW per 2019 stillzulegen, umso mehr. Doch mit Kammern – quasi Agraffen – lässt sich das Problem nicht lösen. Sie würden den Kernmantel weder bei Erdbeben schützen, noch können sie das Risswachstum verhindern. Allenfalls könnte letzteres Risiko mit Hochleistungslasern (laser peening) minimiert werden, einer erprobten Technologie, die erstaunlicherweise bisher weder die BKW noch das ENSI je erwähnten. Ein Kernmantel mit Rissen in den Schweissnähten, welche geklammert oder überschweisst sind, ist nicht zu verantwortendes Risiko.

Wiederholte Kritik

Schon zweimal stand die OSART im Einsatz im AKW Mühleberg. Beide Male erkannte sie Bedarf den Betrieb zu verbessern. Im November 2000 bemängelte sie Kabelsicherung und Kabelkennzeichnung und stellte ein zu tiefes industrielles Sicherheitsniveau fest.

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